Ich ess‘ (meistens) Blumen

Warum (Teilzeit-) Vegetarismus richtig und wichtig ist

Samstagmorgen. Der wöchentliche Einkauf bei Rewe, Edeka oder auch wahlweise Aldi, Lidl steht an. Man kämpft sich mit einem Haufen anderer Leute durch die Gänge, um in den kommenden Tagen was auf den Tisch bringen zu können. Unweigerlich fällt dabei der Blick auf das immer größere und ausgefallener werdende Regal der vegetarischen Fleischersatzprodukte. Auch der grüne Stempel, der vegetarische oder vegane Gerichte markiert springt einem immer öfter ins Auge. Kein Zweifel: Wo Angebot und Nachfrage die Auswahl im Supermarktregal regeln, sieht man: Vegetarismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, raus aus dem Reformhaus rein in den Discounter.

Mit steigender Anzahl an vegetarischen Produkten verstärken sich (gefühlt) die Grabenkämpfe zwischen einzelnen Gruppierungen. Sei es zwischen Vegetariern und Veganern, die Vegetarismus nicht für konsequent halten oder auch zwischen 99cent-Ja!-Salami-Esser zu Ich-kenne-meine-Kuh-beim-Namen-Konsumenten. Gleichzeitig haben ausgelutschte Sprüche a la „Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg“ oder „Vegetarier ist das indianische Wort für “ zu dumm zum Jagen““ immer noch Hochkonjunktur. Die Fronten scheinen verhärtet. Jeder möchte bei seiner Doktrin bleiben. Aber wer hat Recht? Zeit sich mit den Argumenten für Vegetarismus auseinander zu setzen!

 

Fleischkonsum ist Mord & ethisch fragwürdig

Ja…ich starte direkt mit der Moralkeule (bitte trotzdem weiter lesen!)

Tierschutzorganisationen nutzen häufig sehr drastische Beispiele um das Tier – Metzger – Konsumenten Verhältnis zu umschreiben. Begrifflichkeiten wie Mörder, Henker, Schlächter bis hin zu Holocaust-Vergleichen werden mehr oder weniger sachlich genutzt, um das Thema zu emotionalisieren.
Im Kern töten wir Tiere, oder lassen sie töten, um anschließend ihre Körper zu verspeisen –  An manchen Tagen befremdet mich die Vorstellung. Man hat den Bezug verloren. Es ist schwer nachvollziehbar, wie man so kaltherzig mit fühlenden und denkenden Wesen umgehen kann, um sie teilweise dreimal täglich zu verspeisen ohne überhaupt noch zu verstehen oder zu bedenken, was man da konsumiert. Nicht darüber nachdenkend, dass ein oder gar mehrere Tiere dafür ihr Leben lassen mussten. Die Entfremdung zwischen Konsument und Tier erachte ich als schwierig. Wenn man Fleisch konsumiert, sollte einem klipp und klar sein, was man da macht.

Ein Großteil der Fleischproduktion stammt aus Massentierhaltung, in der Tiere als Ware betrachtet werden, nicht als soziale Lebewesen mit Emotionen und Schmerzempfinden. Bei einem Leben in der Massentierhaltung wird ihnen nahezu alles vorenthalten, was ihrer natürlichen Lebensweise entspricht. Zusätzlich werden sie in einem sehr jungen Alter gewaltsam getötet.5

 

Fleischkonsum zerstört den Planeten.

Hoher Fleischkonsum ist der größte Verursacher schädlicher Treibhausgase. Eine Studie der FAO, der Lebensmittel- und Ernährungsorganisation der UN, kam zu dem Ergebnis, dass die Viehhaltung (also auch Milch- und Eierproduktion) für 14,5 % aller globalen Treibhausgase verantwortlich ist.5 Neuere Studien gehen sogar von einem Anteil von rund 30% aus. Aufgrund des steigenden Bedarfs an tierischen Produkten gehen Schätzungen von 50-80% bis zu Jahr 2050 aus. Eine rein pflanzliche Ernährung könnte die Treibhausgase um rund 80% pro Kopf vermindern.4
Die Nutztierhaltung fördert außerdem die Abholzung des Regenwaldes: Von diesem wird im Amazonasgebiet 80 % für den Futtermittelanbau gerodet.5 Damit einhergehend wird der Lebensraum vieler Pflanzen, Tiere und Insekten zerstört was zu einer Verringerung der Artenvielfalt führt.4

[…]Hinzu kommt eine starke Verschmutzung des Grundwassers durch die Exkremente der Tiere. Daneben verbraucht die Produktion von Fleisch und anderen tierischen Produkten selbst sehr viel Wasser. Allein für ein Kilogramm Rindfleisch werden 15.500 Liter Wasser benötigt.
Gleichzeitig haben aktuell 800 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die UN schätzt, dass diese Zahl in den nächsten 10 Jahren auf 1,8 Milliarden ansteigen könnte. Zitat 5

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Fleischkonsum ist ungesund.

Der hohe Fleischkonsum ist eine der Hauptursachen verbreiteter Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu hohe Cholesterinwerte und sogar Krebs. Zahlreiche Studien haben diese Zusammenhänge nachgewiesen. Zitat 5

Besonders verarbeitetes Fleisch, das durch Salzen, Pökeln, Räuchern oder Fermentieren haltbar gemacht wird, wie Schinken oder Würstchen, wird als krebserregend eingestuft. Unverarbeitetes rohes Fleisch wird als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.6

Ein weiteres Problem in der Massentierhaltung und deren direkten Folgen für den Menschen ist der großflächige Einsatz von Antibiotika, der nötig ist um die Verbreitung von Keimen in den engen Stallungen einzudämmen. Dabei fördert die häufige Antibiotikagabe das bilden von resistenten Keimen. Diese resistenten Keime können auf unterschiedlichen Wegen den Verbraucher erreichen.1

2016 wurden über 1200 Tonnen Antibiotika in der Tiermedizin eingesetzt. Das ist doppelt so viel wie in der Humanmedizin. Problematisch ist, dass hierbei sogenannte „Reserve-Antibiotika“ eingesetzt werden, die eigentlich für Sonderfälle für die Humanmedizin reserviert sein sollten.2

Nach einer Beprobung von Putenfleisch durch den BUND, sind 88% des im Discounter erworbenen Fleisches mit resistenten Keimen belastet1, die somit direkt die Gesundheit des Konsumenten gefährden können.

 

Fleischkonsum verursacht Hunger.

870 Millionen Menschen leiden laut UN weltweit an Hunger. Durch den Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten gehen Nahrungsmittel einen verschwenderischen Umweg über die „Nutztiere“. Nur etwa 10% der Proteine und Kalorien, die an das Tier verfüttert werden, nehmen Menschen in Form von Fleisch oder anderen tierischen Produkten wieder auf. Zitat 5

Weltweit werden 83 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche für den Futtermittelanbau oder Weideland für die Tierhaltung genutzt. Dabei werden allerdings nur 18 Prozent der Kalorien und 37 Prozent der Proteine erzeugt. Zitat 4

Hinzu kommt die Problematik, dass das Tierfutter häufig in Monokulturen angebaut wird. Diese tragen kurzfristig zu einem hohen Ertrag bei, schaden langfristig jedoch dem Nährstoffgehalt des Bodens und machen ihn somit anfälliger gegenüber Witterungseinflüssen. Auch die Pflanzen sind nach einigen Jahren anfälliger für Krankheiten. Zitat 5

Und jetzt?

Nach diesen vielen Argumenten gegen Fleischkonsum und auch gegen den Verzehr tierischer Produkte bleibt die Frage, wie man selbst damit umgehen soll.

Die offiziellen Zahlen sind deutlich: Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt einen moderaten Fleischkonsum von 300 – 600 Gramm pro Woche, die deutsche Bevölkerung isst deutlich mehr. Zitat  6 Im Jahr 2017 nahm jeder Deutsche im Schnitt 1,15 kg Fleisch zu sich.3

Das Schlüsselwort ist also Reduktion! Wieviel oder wenig Fleisch und tierische Produkte jeder konsumieren möchte, bleibt jedem selbst überlassen, jedoch dürfte klar sein, dass es weniger werden sollte: Unserem Körper, der Umwelt und den Tieren zu Liebe.

Natürlich wäre kompletter Vegetarismus oder sogar Veganismus eine tolle Lösung, allerdings kann man auch in kleinen Schritten beginnen, weil jeder Schritt zählt!

Es ist wichtig, uns als Konsumenten zu informieren und unsere Marktmacht sinnvoll zu nutzen! Das heißt:

  • Fleischkonsum (und auch Fisch! Das ist das gleiche in blau) reduzieren! Der Sonntagsbraten sollte wieder zum Sonntagsbraten werden, also eine Mahlzeit für besondere Tage.
  • Auf die Herkunft des Fleisches achten: Wie sind die Haltungsbedingungen? Lieber seltener Fleisch essen und dafür ein paar Euro mehr ausgeben und wissen woher das Tier kommt.
  • Regional kaufen: Macht Euch schlau woher Euer Fleisch kommt. Unterstützt den örtlichen Metzger oder Jäger.
  • Augen auf beim Discounter! Finger weg von Billigfleisch! Die Kausalkette ist logisch: Ein geringer Preis im Discounter (oder Supermarkt) bedeutet sparen beim Bauern, sparen in der Verarbeitung, ergo schlechtere Bedingungen für die Tiere (mehr Tiere auf kleiner Fläche, hoher Antibiotikaeinsatz)
  • Finger weg von Discounterwild: dieses „Wild“ ist oftmals nicht wild und hat viele tausend Kilometer auf dem Buckel. Der lokale Wildhändler oder Jäger um die Ecke kann Euch durchaus besser bedienen. Regionaler geht es nicht.

So wie es vegetarische Produkte in (fast) jeden Supermarkt geschafft haben kann man Billigfleisch aus selbigen verbannen. Wenn keine Nachfrage seitens des Kunden da ist, wird das Angebot vermindert – Seid Euch dessen bewusst!

 

 

Quellen:

1: Bund.net „Industrielle Tierhaltung braucht Antibiotika und erhöht das Risiko resistenter Keime“, URL: https://www.bund.net/massentierhaltung/antibiotika/, Zugriff: 10.04.2019

2: Bund.net 2 „Landwirtschaftlicher Antibiotikaeinsatz nach wie vor zu hoch. Reserveantibiotika dürfen in der Tierhaltung nicht länger zum Einsatz kommen“, URL: https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/landwirtschaftlicher-antibiotika-einsatz-nach-wie-vor-zu-hoch-reserveantibiotika-duerfen-in-der-tier/, Zugriff: 10.04.2019

3: Bvdf.de „Fleischverbrauch und Fleischverzehr pro Kopf der Bevölkerung“, URL: https://www.bvdf.de/in_zahlen/tab_05, Zugriff: 10.04.2019

4: Peta.de „9 Gründe warum Umweltzerstörung durch Tierprodukte entsteht“, URL: https://www.peta.de/umwelt, Zugriff: 10.04.2019

5: Vebu.de, „Fünf gute Gründe“, URL: https://vebu.de/veggie-fakten/warum-vegan-leben/, Zugriff: 10.04.2019

6: Verbraucherzentrale.de „WHO: Verarbeitetes Fleisch krebserregend?“, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/who-verarbeitetes-fleisch-krebserregend-12300, Zugriff: 10.04.2019

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