6 Gründe für die Bockjagd

Nur noch wenige Tage bis zum ersten Mai. Während die meisten damit den Tag der Arbeit, Demonstrieren oder vielleicht eine nette Sauftour in Verbindung bringen, gibt es eine Gesellschaftsgruppe in Deutschland, die an etwas ganz anderes denkt. Rund 360.000 deutsche Jäger fiebern auf den ersten Mai hin, denn dann ist Beginn der Bockjagd.

„Bitte was?“ Werden sich jetzt einige von Euch Fragen – „Jagd nach Datum?“ In Deutschland gibt es das Jagdgesetz in dem (bundeslandabhängig) die Jagdzeiten geregelt sind. Diese Jagdzeiten orientieren sich am natürlichen Lebenszyklus des Wildes. So darf in Rheinland-Pfalz zum Beispiel vom 31.Januar bis 1.Mai keinerlei Rehwild bejagt werden. Ab 1.Mai dürfen Böcke und 1-jährige weibliche Rehe (sogenannte Schmalrehe) bejagt werden. Das begründet sich darin, dass Böcke zu dieser Zeit ihr Revier (Einstand genannt) festlegen, sodass sie sehr aktiv sind und man als Jäger die Möglichkeit hat, die Böcke in Ruhe zu beobachten und zu bestimmen (sogenanntes „ansprechen“) da nur selektiv gejagt wird. Schwangere Mamas, sowie deren Babys (Kitze)  genießen in Rheinland-Pfalz eine Schonzeit bis zum 1.September.

Da nicht jeder etwas mit dem Thema Jagd zu tun hat und viele Mythen und Unwissenheit zum Thema kursieren möchte ich im heutigen Post ein wenig darauf eingehen und die unterschiedlichen Beweggründe für die Bockjagd erklären. Der Schwerpunkt liegt für jeden Jäger individuell und möglicherweise gibt es auch noch zwei oder drei Gründe mehr, aber im Großen und Ganzen gibt es sechs Gründe für die Bockjagd:

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Die Trophäe

Starten wir mit dem trivialsten Grund (bitte nicht abschrecken lassen und die anderen vier Gründe ebenfalls lesen): Der Trophäe.
Ein männlicher Rehbock bildet auf seinem Kopf ein Gehörn aus (nicht Geweih, Rehe gehören zu den Trughirschen), dass er weitaus sichtbar zur Schau trägt. Daran lässt sich vieles ablesen oder interpretieren. Unter anderem sein Alter und auch sein Gesundheitszustand, weiterhin seine Nahrungsversorgung, der Konkurrenzdruck im Revier, oder auch die verfügbare Pflanzenwelt in der Umgebung. Einige/viele Jäger (ich kenne keine genauen Zahlen), beobachten, hegen und pflegen einen bestimmten Rehbock über Jahre hinweg, um ihn letztendlich zu erlegen.
Den Kopf (das Haupt) kocht man anschließend ab, um sich das Gehörn an die Wand zu hängen.
Viele Leute empfinden das als befremdlich. Der Jäger selbst macht das aus vielerlei Beweggründen: Dekoration, Tradition, Ehrfurcht, Respekt vor dem Lebewesen oder als Erinnerung an das Jagderlebnis.

Nicht jeder kann diesen Teil der Jagdtradition nachvollziehen, verstehe ich vollkommen. Nichts desto trotz, möchte ich es erwähnen, da die Trophäe des Bockes für einige Jäger sehr viel Wert hat und gleichzeitig auch für Nicht-Jäger eine der ersten Assoziationen zum Thema Jagd ist. Man sollte es also nicht verschweigen, sondern erwähnen, dass es zum jagdlichen Brauchtum dazu gehört. Meiner Meinung nach sollte und ist es allerdings kein Hauptargument für das erlegen eines Bockes oder eines anderen Lebewesens seins.

Gesundes Lebensmittel

Blickt man sich etwas genauer in der grünen Zunft um, findet man immer wieder ehemalige Vegetarier, die es auf einmal nicht mehr sind. Das hängt ganz klar mit Argument Nummer zwei zusammen. Durch die Jagd erhält man ein Lebensmittel das an Regionalität und Nachhaltigkeit schwer zu übertreffen ist.
Rehe werden weder gezüchtet noch fristen ein Leben in Massentierhaltung. Sie ernähren sich von den Pflanzen, die in ihrem Lebensraum vorhanden sind und werden dann, unerwartet vom Jäger erlegt. Das Tier hatte ein freies, wildes Leben, das Dasein des Rehs hat niemals die Umwelt belastet (durch Methan, Futtermittelerzeugung ….) und das so entstandene Fleisch, unterliegt keiner Belastung (Stichwort Antibiotika). Reh- beziehungsweise Wildfleisch ist bedenkenlos zu konsumieren, da viele Argumente, die für Vegetarismus sprechen, beim Wildfleisch gar nicht erst zu tragen kommen. (Siehe auch „Ich Ess‘ Blumen“)

Selektion

Die Anzahl natürlicher Feinde des Rehs halten sich in Deutschland stark Grenzen. Je nach Umständen kann man Fuchs, Luchs, Wolf und Wildschwein dazu zählen, jedoch ist die Dezimierung seitens dieser Feinde (bisher) überschaubar.

Aktuell gibt es rund 2,5 Millionen Rehe in Deutschland. Jäger erlegen jährlich rund 1 Million Tiere. Die Anzahl an Rehen (und Wildtieren allgemein) in Deutschland ist stetig wachsend aufgrund verschiedener Faktoren. Durch diese höhere Anzahl an Tieren und gleichzeitig ein geringes Maß an Feinden, steigen die negativen Auswirkungen auf den Lebensraum der Tiere. Jede Kulturlandschaft (wir haben in Deutschland keine Wildnis mehr) verträgt nur eine gewisse Wilddichte (diese ist abhängig von verschiedenen Faktoren).

An die Stelle natürlicher Feinde tritt der Jäger und vermindert die Zahl der Tiere. Durch eine geringere Anzahl an Individuen steigt die Lebensqualität für die verbleibenden Rehe. Der Stress um Reviere und Nahrung für die Tiere ist geringer, was zu einer besseren Gesundheit führt. Durch die gezielte Entnahme einzelner Tiere können kranke und schwächere Rehe selektiert werden, sodass die stärkeren Tiere überleben und ihre Gene letztendlich weiter geben können.

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Vermeidung von Wildschaden

Egal wie süß Bambi und Co aussehen, sobald es zu viele von ihnen gibt, entstehen Schäden.

Rehe sind sogenannte Konzentratselektierer, sie sind quasi die Feinschmecker unter den Wildtieren und picken sich nur die Rosinen raus. Das heißt konkret: Rehe stehen auf knackige, frische Triebe. Die finden sie bevorzugt an jungen Bäumen oder im Fall unseres Revieres an jungen Weinbergen. Wenn die Population also zu groß wird, werden zu viele frische Triebe gesnackt und es entstehen ernsthafte Schäden.
Das bedeutet für den Wald, dass junge Bäume schlecht/falsch wachsen oder gar ganz absterben oder für Weinbauern, dass die Ernte kleiner oder ganz ausfällt, weil die lieben Rehe den Wein schon in Knospenform geschmaust haben. Beides sind in unserer Kulturlandschaft, wo Existenzen auf Wald- oder Weinbau beruhen (oder auch Ackerbau usw.) keine Alternativen. Eine angemessene Wilddichte sorgt dafür, dass die Schäden seitens der Bauern ertragbar bleiben und trotzdem genügend Rehe im Revier herum springen können.

Seuchenprävention

Zu hohe Wildtierpopulationen sorgen dafür, dass einzelne Tiere gegebenenfalls schlechter ernährt sind und anfälliger für Krankheiten sind, sodass Seuchen oder auch Parasiten entstehen und sich schnell verbreiten können. Durch die Bejagung einzelner Tiere und somit die Verminderung der Gesamtzahl lässt sich die Verbreitung von Krankheiten und Seuchen regulieren. Um beim Beispiel des Rehwilds zu bleiben, eine kleine Auflistung der möglichen, übertragbaren Krankheiten, beziehungsweise Parasiten: Magenwürmer, Räude und Salmonellen. Weiter geht es mit meldepflichtigen Krankheiten wie: Milzbrand, Tuberkolose, Brucellose, Papillomatose, Maul- und Klauenseuche oder auch Tollwut.

Besonders bedrohlich (wenn auch für Rehe ungefährlich) ist die afrikanische Schweinepest, die sich aktuell in Europa verbreitet und sowohl Schwarzwild- als auch Hausschweinbestände bedroht und somit wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe für Deutschland bedeuten würde.

Verkehrsschutz

Besonders bei uns im Rhein-Main-Gebiet ist die Straßen- und Schienendichte enorm hoch, sodass Wild oftmals gezwungen ist solche „Todesstreifen“ zu überqueren. Bei zu hohen Tierpopulationen werden solche Streifen natürlich öfters überquert und Tiere laufen Gefahr angefahren oder gar überfahren zu werden.
Jährlich fallen rund 200.000 Rehe dem Straßenverkehr zum Opfer. Oftmals sind die Tiere nicht sofort tot, sondern müssen durch einen sogenannten „Fangschuss“ vom Jäger erlöst werden. Teilweise müssen die verletzten Tiere vorher noch aufwendig gesucht werden, da sie sich schwer verletzt weiter geschleppt haben. Eine angepasste Wilddichte (also eine nicht zu hohe Zahl an Tieren) kann viele Wildunfälle vermeiden.
Aber auch seitens der Autofahrer oder auch Verkehrsteilnehmer kann mit geholfen werden: „Wildwechsel“-Schilder solltet Ihr ernst nehmen. Besonders an den Übergangen von Wald-Feld sollte man aufmerksam und bremsbereit fahren, um Wildunfälle zu vermeiden.

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Zusammenfassen gibt es eine Vielzahl an Beweggründen zur Bejagung von Rehwild. Alle Punkte kann man mit gewissen Änderungen auf andere Wildarten übertragen.

Mir ist es wichtig, solche Argumente aufzulisten, um gängige Vorurteile zu entkräften  und um zu erklären, was tatsächlich dahinter steht.

Jäger agieren mit Sinn und Verstand. Jagd ist aktiver Naturschutz. Mir ist klar, dass viele Brauchtümer und Traditionen innerhalb der „grünen Zunft“ befremdlich wirken können, zumeist haben sie aber ihre Begründung, nur leider verpasst die Jägerschaft es oftmals das nach „außen“ hin auch zu erklären – so entstehen Missverständnisse, die keinem helfen.
Ich möchte mit diesem Text einen Anfang machen und Nicht-Jägern jagdliche Themen etwas näher bringen.
Falls Ihr weitere Fragen habt, gerne auch zu anderen jagdlichen Themen, könnt ihr mir natürlich schreiben. Vielleicht eignet sich das Thema ja auch, um bald ein weiteren Jagdbereich aufzugreifen und zu erklären.

Als Quelle für diesen Text dienten verschiedene Seiten, dort sind einzelne Punkte auch noch genauer erklärt:

1: Jagderleben.de: „Sind Jäger in Deutschland noch zeitgemäß?“ Positionspapier des deutschen jagdverbands, URL: https://www.jagderleben.de/sites/default/files/mediaarchiv/jagd_in_deutschland_.pdf, Zugriff: 17.04.2019

2: Deutschewildtierstiftung.de: „Reh – Anpassungsfähiger Kräuterprofi“, URL: https://www.deutschewildtierstiftung.de/wildtiere/reh, Zugriff: 17.04.2019

3: Jagd.it: „Die wichtigsten Wildkrankheiten“, URL: http://www.jagd.it/krankheit/wildkrankheiten.htm, Zugriff: 17.04.2019

 

 

 

 

 

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